Begabungsförderung & Begabtenförderung

„Versteht man unter Begabung die individuelle Fähigkeit und Bereitschaft zur Leistung, so bedeutet Begabungsförderung in erster Linie die Anregung von Denkprozessen, die Bereitstellung von Wissen, die Stimulierung von Lernfreude und die Anerkennung von Leistung.“ (Hany, Ernst: Begabtenförderung – was ist Schule sonst? Keimzelle für individuelles Lernen. GEW, Heft 10/ 2001)

Ganz im Sinne der von Hany vertreten Auffassung von Begabungsförderung / Begabtenförderung steht für uns der einzelne Schüler mit seinen ganz unterschiedlichen Begabungen und mit den auch ganz unterschiedlich ausgeprägten Einzelbegabungen im Mittelpunkt. Ausgangspunkt und Instrument der Begabungsförderung ist in den Klassen 5 & 6 deshalb ein „Begabungsportfolio“ in dem die individuellen Fähigkeiten, Interessengebiete und bevorzugten Arbeitsweisen erfasst werden. Dieses Portfolio begleitet jeden Schüler und dokumentiert anschaulich die schulische Entwicklung. Gleichzeitig ist das Portfolio Grundlage für die Einschätzung der Entwicklung der Schüler.

Begabungsförderung benötigt „pädagogische Umwelten“, in denen Lehrerinnen und Lehrer dem Einzelnen gerecht werden können. Begabung entwickelt sich nur in einem kreativen und kooperativen Prozess des Austausches zwischen Lehrenden und Lernenden. In der Konsequenz bedeutet dies Vielfalt und Flexibilität seitens des schulischen Angebotes genauso wie individuelle Zuwendung, Verständnis und klare Anforderungen auf der Ebene sozialer Interaktion. In kleinen schulischen Strukturen, wie sie im Gymnasium Panketal garantiert werden, in Klassen mit i. d. R. maximal 20 Schülern und einer überschaubaren Schulgemeinschaft von ca. 200 bis 250 Schülern, kann Individualisierung von Unterricht leichter gelingen als in größeren Einheiten.

Stabile Begabungsbefunde ergeben sich häufig erst im Laufe oder nach der Pubertät. Davor sind die Hinweise auf Begabungen oft diffus oder widersprüchlich. Es erweist sich also als wichtiges Anliegen in der Sekundarstufe I besondere Begabungen überhaupt erst zu erkennen, zu begleiten und weiter herauszufordern.

Das Gymnasium Panketal favorisiert deshalb ein Konzept der integrierten und flexiblen Begabungsförderung, welches eine Kombination von strukturell angelegten Förderbedingungen in Leistungs- und Begabungsklassen (LuBK) und individueller Beachtung erkennbarer Einzelbegabungen in ganz unterschiedlichen schulischen Zusammenhängen in allen Klassen darstellt.

Die notwendigen pädagogischen Rahmenbedingungen für die möglichst individuelle Förderung von begabten Schülern werden einerseits durch die besondern Anregungen und gruppendynamischen Effekte der leistungshomogenen LuBK, zum anderen aber durch eine umfangreiche Erweiterung der Unterrichtsangebote (Enrichment) sowie durch die schulische Lernatmosphäre insgesamt erreicht.

Inhaltlich-organisatorische Instrumente

Wichtigste inhaltlich-organisatorische Instrumente zur Umsetzung der Begabungsförderung im unterrichtlichen Bereich sind neben dem bilingualen Unterricht in mindestens zwei Fächern auch die Zusammenfassung von Fächern des Fächerbereiches Naturwissenschaften (INW) und des Fächerbereiches Gesellschaftswissenschaften, einschließlich LER (IGW). Darüber hinaus werden Deutsch und das neue Fach „Darstellendes Spiel“ zu integriert unterrichteten Fächern in den Jahrgangsstufen 5 bis 9.

Der bilinguale Unterricht in der Fremdsprache Englisch wird verbindlich für alle Schüler der LuBK in den Sachfächern INW und IGW belegt. Ab Klasse 10 werden die integrierten Fächerbereiche aufgelöst und Fachunterricht bezogen auf Einzelfächer erteilt. Beim Wechsel in Klasse 10 wählen die Schüler, in welchen Einzelfächern aus den bisherigen beiden integrierten Sachfächern INW und IGW sie weiterhin bilingualen Unterricht belegen wollen. Dieser bilinguale Unterricht wird bis Klasse 12 weitergeführt und gegebenenfalls zu einer Abiturprüfung in englischer Sprache führen, falls die entsprechenden Fächer Abiturprüfungsfächer werden sollten.

Das Fach „Darstellendes Spiel/ Sozialkompetenz/ Kommunikation“ wird in Klasse 5 eingeführt, stufenweise inhaltlich erweitert und dann ab Klasse 9 als das Fach „Darstellendes Spiel“ unterrichtet.

Mit diesem Fach verbindet sich die Zielstellung insbesondere personale Kompetenz und Sozialkompetenz sehr lebensnah und nachhaltig zu entfalten. Gleichzeitig werden moderne Schlüsselqualifikationen wie Rhetorik, erfolgreiches Kommunizieren, Moderations-, Mediations- und Präsentationstechniken, aber auch Umgangsformen vermittelt und eingeübt.

Individualisierung und Klassenverband

Grundlage der Unterrichtplanung ist der Unterricht im Klassenverband. In diesem Rahmen werden alle sich anbietenden Möglichkeiten der Individualisierung von Unterricht genutzt. Begabungsförderung und Individualisierung erfordern das ständige Bemühen, alle Formen des Unterrichts optimal einzusetzen.

Die meisten Formen der Individualisierung und Differenzierung finden grundsätzlich statt, ohne den Klassenverband aufzulösen. Neben den bereits eingesetzten Freiarbeitsphasen, die vor allem auch Möglichkeiten fächerübergreifenden Unterrichts bieten, wird die Klasse immer wieder in leistungshomogene Gruppen (ähnlich begabte Schüler) eingeteilt. Stationenlernen, Lernwerkstattarbeit und Lernzirkel ergänzen die individualisierenden Unterrichtsformen.

Damit kann einerseits den besonderen Fähigkeiten bestimmter Schüler besser Rechnung getragen werden, andererseits wird eine Beschleunigung des Lernprozesses erreicht.

Projektarbeit

Mehrmals im Jahr und in verschiedenen Fächern werden Projektphasen eingeplant, welche die Ganzheitlichkeit und Komplexität unterrichtlicher Gegenstände anschaulicher vermitteln sollen sowie den Anspruch wissenschaftspropädeutischen Unterrichts angemessen verwirklichen können.

Regelmäßige Exkursionen zum Aufsuchen außerschulischer Lernorte sind Bestandteil des regulären Fachunterrichtes. Sie dienen vor allem dem unverzichtbaren Praxisbezug schulischer Bildung und sind ebenso Bestandteil des schulinternen Lehrplanes.

Weitere Förderungsmöglichkeiten

Das eigenständige und eigenverantwortliche Lernen hat in den LuBK einen besonderen Stellenwert und wird schrittweise über die Sekundarstufe I bis in die Oberstufe ausgebildet.

Computergestütztes Lernen sowie das Lernen mit Medien ist planmäßiger und bedeutender Bestandteil in allen Fächern.

Die LuBK ist Bestandteil des voll gebundenen Ganztagesangebotes der Schule. Damit besteht die Möglichkeit, insbesondere im Hausaufgaben- und AG-Bereich, gezielte, individualisierte Anforderungen umzusetzen. Nicht jeder Schüler bekommt die gleichen Hausaufgaben und besondere Lernleistungen können bereits in der Schule mit den entsprechenden Fachlehrern besprochen und vorbereitet werden.

Eine zentrale Rolle bei der Planung und Koordinierung des Lernprozesses in der LuBK spielt der Klassenlehrer. Er begleitet die Klasse im Idealfall von der Aufnahme in die Schule bis zum Abitur. Der Klassenlehrer führt das Begabungsportfolio für jeden Schüler und berät mehrmals im Jahr oder bei besonderen Anlässen mit der Klassenkonferenz zur Leistungsentwicklung und Persönlichkeitsentwicklung seiner Schüler.

Das Fächerangebot der Regel- und Leistungsklassen finden Sie unter der Rubrik Dokumente.

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